Menschen am Berg

von Jutta Siefarth in Konzeptionen, Organisation, Redaktion

Das Bergmagazin »alpinwelt« haben wir 2000 aus der Taufe gehoben und 21 Jahre lang redigiert.

Cover der alpinwelt mit dem Schwerpunkt "Menschen am Berg" mit dem Bergdorf Fusio im Tessin mit hohen Bergen im Hintergrund

"Wir kennen doch Menschen am Berg! Lasst uns doch ein Heft über die Leute von Fusio machen!", schlägt der Chefredakteur in der Redaktionssitzung vor, in der es um das Themenheft "Menschen am Berg" der »alpinwelt« geht. Mit dieser zündenden Idee, die alle sofort überzeugt, beginnt die Arbeit an unserem wohl persönlichsten, einzigartigsten – und folgenreichsten – "Heftl".

Fusio, das kleine Bergdorf, das uns zur zweiten Heimat geworden ist, liegt in einem Tessiner Talschluss; knapp dreißig Menschen leben noch hier, aber, wie eine der Bewohnerinnen so schön sagt: "In so einem kleinen Dorf ist jeder Mensch groß". Wir treffen also auf keine Unbekannten, werden aber im Laufe unserer Gespräche, Recherchen und Interviews noch viel mehr über ihr Leben, Arbeiten und Bergsteigen (so unser Untertitel) lernen. Und auch sie erfahren sicher einiges über uns, denn es ist ja immer ein Nehmen und Geben, wo es nicht um reine Neugier geht.

Der Aufmacher unseres Schwerpunkthefts "Menschen am Berg"

Ganz einfach wird es allerdings nicht, denn keiner aus der Redaktion beherrscht das Italienische perfekt. Aber die Gespräche, die wir führen, gelingen trotzdem immer, weil sich alle Seiten Mühe geben und offen aufeinander zugehen. Unser Interesse ist aufrichtig (nicht nur zweckgebunden!), und die Einwohner sind allesamt stolz auf ihr Dorf. Unsere Fragen öffnen Türen zu Geschichten, Anekdoten, Erfahrungen, aber auch zu den alltäglichen Problemen und Widrigkeiten des Lebens am Berg.

Beispielseite
Beispielseite

Es ist eine intensive, spannende und erfüllende Zeit, die man eigentlich kaum als "Arbeit" bezeichnen kann – auch die Fülle dessen, was wir an Informationen zusammentragen, schreibt sich anschließend fast von allein. Doch auch die Feder (resp. die Tastatur) erweist sich als so eigenwillig und besonders wie das Dorf: Nicht ‒ wie sonst immer ‒ eine Artikelfolge, die aus verschiedenen Perspektiven um das Thema kreist, sondern eine einzige Reportage, flankiert von Interviews und Hintergrundinformationen, setzt diesmal das Mosaik Steinchen für Steinchen zusammen. Form follows function … oder in diesem Fall: Intuition? Und auch das gab es in der Chronik der »alpinwelt« noch nie: Der Themenblock ist lange vor Redaktionsschluss fertig.

Unsere Fragen öffnen Türen zu Geschichten, Anekdoten, Erfahrungen ...

Und die Folgen? Von "ein Hochgenuss" bis "zutiefst beeindruckt" reichen die Kommentare nach Erscheinen des Hefts, was uns natürlich freut. "Aber was ist mit den Leuten von Fusio?", fragen wir uns schon ein wenig bang. Nun, sie reden immer noch mit uns. Offenbar haben sie sich in unserem Porträt wiedergefunden, denn unsere Zusammenarbeit geht weiter: Ein halbes Jahr später erscheint die italienischen Sonderausgabe "Gente della montagna" – einmalig in der Geschichte der »alpinwelt«, und der Stolz "unserer" Menschen am Berg.

Was: Konzeption, Chefredaktion
Wann: 2000 bis 2020
Wie oft: vierteljährlich, Auflage bis 110.000
Für wen: Alpenvereinssektionen München und Oberland