Vergangenheit vergeht nicht

von Frank Martin Siefarth in Ausstellung, Redaktion

Die Redaktion der Texte für die große Reformationsausstellung erfordert sehr vielfältiges Know-how.

Das Telefon läutet. Ein Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern versichert sich, ob er richtig verbunden sei mit Herrn Siefarth vom Redaktionsbüro Wortstatt. Etwas verwundert bestätige ich und frage, was ich denn für ihn tun könne.

"Wir brauchen eine kompetente Endkorrektur ‒ und ein paar griffige Überschriften."

Es entwickelt sich ein sehr angenehmes Gespräch, in dem mir der Pfarrer sein Anliegen erläutert: Im kommenden Jahr stehe ja das große Luther-Jubiläum "500 Jahre Reformation" an, und seine Landeskirche habe die Aufgabe übernommen, bayerisch-kirchenhistorische Beiträge für die geplante Weltausstellung in Wittenberg zu erarbeiten. Sein Team habe dazu bereits Texte verfasst, und jetzt sei man auf der Suche nach einer kompetenten "Endredaktion". Ich frage ein paar Dinge nach, um mir ein möglichst klares Bild von dem möglichen Auftrag zu machen, und erfahre dabei, dass auch noch griffige Überschriften getextet werden müssten. Am Ende des Telefonats kommt dann noch die obligatorische Bitte, ein schriftliches Angebot zu schicken. Nun, das 16. Jahrhundert und die Reformation sind zwar nicht unbedingt mein Spezialgebiet, aber immerhin habe ich dazu irgendwann mal eine Seminararbeit geschrieben … Und das einmal gelernte historisch-kritische Arbeiten verlernt man ja schließlich nicht.

Gefragt ist neben dem Redakteur auch der Historiker

Schon ein paar Tage später trudeln die ersten Texte im E-Mail-Posteingang ein, und mir wird schnell klar, dass es hier tatsächlich nicht mit einer sprachlich-stilistischen Endkorrektur getan ist, sondern auch das eine oder andere historische Faktum überprüft und manche Beschreibung sowie Einordnung und Interpretation hinterfragt und gegebenenfalls Änderungsvorschläge formuliert werden müssen. Und dass den Texten bei aller notwendigen "Wissenschaftlichkeit" etwas mehr "Publikumsstil" gut tun würden ...

Mir schwant, dass die Aufwand-Einnahmen-Relation eher ungünstig (für DiE WORTSTATT!) ausfallen wird, aber ich bin in meinem Element! Auch wenn die Lebensphase als Historiker schon eine ganz Weile her ist, freue ich mich doch immer wieder über Projekte, bei denen ich das dabei erworbene Know-how einsetzen kann. Die Arbeit geht dann tatsächlich doch schneller von der Hand als anfangs befürchtet, und am Ende bin ich froh, diesen Auftrag angenommen zu haben. Es hat Spaß gemacht, und der Auftraggeber ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Nach Abschluss des Projekts frage ich dann, wie sie denn eigentlich auf uns gekommen sind. Die Antwort ist verblüffend einfach und doch erstaunlich: Sie hätten im Internet nach einer Agentur in München gesucht, deren Köpfe sowohl eine historisch-geisteswissenschaftliche Ausbildung wie auch Ausstellungserfahrung haben.

Die Vergangenheit vergeht nicht – Google sei Dank!

Was: Ausstellungstexte für die »Weltausstellung Reformation 2017« – Lektorat, Redaktion
Wann: 2016
Für wen: Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern