Schreiben ist denken

Wenn ich nicht mehr selbst schreibe, sondern die KI schreiben lasse, höre ich auf zu denken.

Eine meiner eindrücklichsten Erinnerungen ans Gymnasium ist ein Projekt im Deutsch-Leistungskurs.

Unser engagierter Lehrer organisierte für uns mehrere Besuche im benachbarten Kindergarten. Dabei sollten wir die jüngeren Kinder und ihr Verhalten, ihre Handlungen und ihre sprachlichen Äußerungen beobachten und sie zusätzlich interviewen.

Das Ergebnis unseres Experiments: Wir Menschen denken in Sprache. Und das von Klein auf. Es ist in uns angelegt.

Denken und Sprache sind eins.

Und das sollten wir Journalisten, Autorinnen, Redakteure und Lektorinnen als Argument in die derzeitigen allgegenwärtigen KI-Diskussionen einbringen:

Wenn wir (kreativ) schreiben, ist das nichts anderes als unserer ureigenstes Denken: Cogito ergo sum. Ich denke, also bin ich. Oder eben: Ich schreibe, also bin ich!

Wenn wir das Schreiben an die KI delegieren, unser eigenes kreatives und intelligentes (!) Denken sich bestenfalls noch in einem Prompt am Beginn des „Schreibprozesses“ findet, hören wir auf zu sein, was wir sind. Dann schaffen wir nicht nur die „Schreiberlinge“, sondern uns als Species selbst ab.

Was denkt Ihr? Schreibt es!